Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland

2017

Reformationsjahr 2017: „Doppelpunkt der Ökumene“

beide sitzen nebeneinander auf einer Mauer vor der Geburtskirche und lächeln © KNA
Kardinal Reinhard Marx (l.), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Händedruck während des Besuches der Geburtskirche in Bethlehem am 19. Oktober 2016.

2017 wird der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert: Am 31. Oktober 1517...

2017 wird der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert: Am 31. Oktober 1517 nagelte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Wittenberger Schlosskirche. Das Reformationsjubiläum wird als bundesweiter Feiertag begangen.

Die katholische Kirche betont im Reformationsjahr nicht vorrangig den Aspekt des Trennenden, sondern lässt sich darauf ein, das Jahr als „Christusfest“ zu feiern und die Freude am Christsein in den Mittelpunkt zu stellen.

Vorausgegangen sind verschiedene Schritte der Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten, nicht zuletzt die Ökumenische Pilgerreise ins Heilige Land im Oktober 2016: Neun katholische Bischöfe sowie der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz reisten gemeinsam mit zehn Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland nach Israel und Palästina und besuchten die heiligen Stätten des Christentums. Mit dabei waren auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Ermutigt durch die persönliche Begegnung im Heiligen Land und auch durch mehrere Initiativen von Papst Franziskus wenden Marx und Bedford-Strohm sich zum Reformationstag 2017 in einem gemeinsamen Brief an die Gläubigen, den die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ veröffentlicht: zum Wortlaut.

Sie erläutern ihr Konzept der „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“. Ohne theologische Differenzen verwischen zu wollen, verfolgen sie das Ziel, in der zunehmend säkularisierten Gesellschaft gemeinsam Zeugnis für den Glauben an Gott abzulegen und dementsprechend zu handeln, nicht zuletzt im Einsatz für Flüchtlinge und gegen soziale Not. Das Reformationsjahr verstehen sie nicht als Schlusspunkt, sondern als „Doppelpunkt in der Ökumene“.

Die Katholische Akademie in Bayern verleiht Marx und Bedford-Strohm für ihr Engagement den Ökumene-Preis 2017.

2016

100. Deutscher Katholikentag in Leipzig

Der sonnenbeschienene Platz ist voller Gottesdienstbesuchern, man sieht Richtung Altarraum. © KNA
Hauptgottesdienst des 100. Katholikentags auf dem Augustusplatz in Leipzig am 29. Mai 2016.

Vom 25. bis zum 29. Mai 2016 findet in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag...

Vom 25. bis zum 29. Mai 2016 findet in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt – 168 Jahre nach dem ersten Katholikentag, der 1848 in Mainz stattfand. Unter dem Motto „Seht, da ist der Mensch“ beteiligen sich in Leipzig rund 40.000 Menschen an etwa 1.000 Veranstaltungen, die im Rahmen des Katholikentags angeboten werden.

Migration und der Umgang mit den Flüchtlingen in Deutschland bilden die thematischen Schwerpunkte des Katholikentags. Papst Franziskus erinnert in seiner Grußbotschaft an die Menschen, die „hin und her gestoßen und ihrer Würde beraubt werden, weil sie keine Arbeit haben oder weil sie Flüchtlinge sind“, und ruft die Teilnehmer in seiner Grußbotschaft auf, „dass sie in ihrem Leben der Stimme der Armen und Zerschlagenen immer mehr Raum geben“: Wortlaut der Botschaft auf der Vatikanseite.

2015

Erster Katholischer Flüchtlingsgipfel

© KNA
Deutschunterricht im ehemaligen Pfarrhaus der katholischen Gemeinde von Haldensleben. Hier hat Pfarrer Winfried Runge Platz gemacht für neun aus Eritrea geflüchtete Männer. Im Bild Pfarrer Runge, der deutsche Sprache unterrichtet.

Der Bürgerkrieg in Syrien und viele andere Krisenherde im Nahen Osten und in...

Der Bürgerkrieg in Syrien und viele andere Krisenherde im Nahen Osten und in Afrika treiben Menschen in die Flucht. Der Zustrom von Flüchtlingen in die sicheren Länder Europas wächst und stellt die Gemeinschaft der Europäer vor eine Belastungsprobe.

Im Lauf des Jahres 2015 nimmt Deutschland rund 900.000 Flüchtlinge auf, vor allem aus Syrien und dem Irak. „Wir schaffen das“, ist die feste Überzeugung von Bundeskanzlerin Merkel, die mit diesem Ausruf am 31. August 2015 ihre Landsleute ermutigt, sich der Herausforderung durch die Zuwanderung zu stellen.

Vor diesem Hintergrund beschließen die deutschen Bischöfe auf ihrer Herbst-Vollversammlung 2015, einen Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen zu ernennen und wählen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße für diese Aufgabe aus. In der kirchlichen Flüchtlingshilfe sind rund 5.000 hauptamtliche und mehr als 100.000 ehrenamtliche Helfer tätig. Um die Hilfsmaßnahmen zu koordinieren, bildet Heße einen Arbeitsstab und lädt am 24. November 2015 zum ersten katholischen Flüchtlingsgipfel ein: Rund 130 Teilnehmer, die verschiedensten kirchlichen Organisationen angehören, kommen in Würzburg zusammen. Zwei weitere Flüchtlingsgipfel folgen bis 2017.

Das drängendste Problem stellt die Schaffung von Wohnraum für die große Zahl an Menschen dar, die innerhalb kurzer Zeit in Deutschland ankommen. Diskutiert werden auch Möglichkeiten, durch Schulbildung und Arbeit zur Integration der Flüchtlinge beizutragen, ebenso wie die seelsorgliche Betreuung der geflüchteten Menschen und auch ihrer ehrenamtlichen Helfer. Nicht zuletzt befasst sich der Gipfel mit den besonderen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen, die ohne ihre Eltern in Deutschland angekommen sind.

Ein Ergebnis des Gipfels sind die „Leitsätze des katholischen Engagements für Flüchtlinge“, die von den Bischöfen auf ihrer Frühjahrskonferenz 2016 verabschiedet werden: Leitsätze bestellen oder herunterladen.